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Klarstellung zur Rentenpolitik

08.01.2008

Nicht dass es nachher heisst niemand hätte darauf hingewiesen ausser dem ollen Lafontaine:

FRGZCHN-Postulat #3:
Ob ein Rentensystem durch „Generationenvertrag“ oder durch „Kapital“ gedeckt wird, ist ein rein formaler Unterschied in der VORSTELLUNG wie das System funktioniert.

Sachlich sind diese Sicherungssysteme aus der Sicht des Teilnehmers ein und dasselbe: Du gibst dem Staat Kredit in Form deiner Einzahlungen, und wenn du alt bist, gibts dann die Kohle ratenweise zurück, optional noch schön solidarisch (reichhaltige Rente nach spärliche Rente und schnell tot nach spät tot) umverteilt. Der einzige Unterschied ist, dass beim Generationenvertrag eine Freibier-Runde zu Beginn ausgezahlt werden kann: Die Generation, die bei Einführung des Rentensystems in Rente gegangen ist oder zumindest noch nicht von Anfang an einzahlte (und somit keinen oder nur reduzierten legitimen Anspruch im Sinne des kapitalgedeckten Rentensystems hatte), konnte dank Generationenvertrag um des sozialen Friedens Willen „auf Pump“ durchgefüttert werden, ohne dass dies in der Staatsverschuldung so direkt zu sehen war. Dieser unsichtbare Zusatzkredit wurde aber in der Vergangenheit bereits ausgegeben und steht daher heute eh nicht mehr zur Disposition. Wer also heute die „Kapitalgedeckte“ Rente einführen will, kommt rund 60 Jahre zu spät!
Der praktische Unterschied zwischen den Systemen liegt einzig und allein in der technischen Implementierung. Während beim klassischen Generationenvertragssystem der Staat alleiniger Schuldner des Rentensparers ist, die Rente also allein im Falle des Staatsbankrotts futsch ist, gibt es bei der „Kapitalgedeckten“ Vorsorge zwischen Staat und Sparer noch eine seriöse Versicherungsgesellschaft, die nicht alles dem Staat weiterverleiht, sondern UNBEKANNTE Beträge für Vertrieb und Verwaltung ausgibt, an den internationalen Kapitalmärkten verzocken könnte, Schrottimmobilien kaufen könnte und was weiss ich – alles natürlich ohne irgendwelche ernstzunehmenden laufenden Rechenschaftspflichten gegenüber den Rentensparern. Dafür, dass der Rentensparer sich also im Falle dass „alles gut geht“ auf eine tendenziell schlechtere Rendite (falls überhaupt im Plus!) einstellen muss, hat er einen in nicht vertrauenerweckenden Zusatzschuldner mit beschränkter Haftung und zuzüglich noch die nicht zu unterschätzende Geldentwertungsgefahr in der Kreditkette, und somit ein deutlich höheres Risiko als beim Direktkredit an den Staat. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass es bei der „Kapitalgedeckten“ Altersvorsorge erst dann wirklich auffällt, dass die Versicherung nicht so gut angelegt hat wie erwünscht, wenn es zur Auszahlung kommt. Mitunter könnte es auch passieren, dass die Versicherung dann im Falle des eigenen heimlichen Zwischenkonkurses das MLM Freibier Prinzip verwendet und so die Pleite noch weiter nach hinten hinauszögert, es somit dann irgendwann einen plötzlichen „Crash“ gibt. Nichts gegen die guten Absichten der Gesellschaften heute, aber die oben beschriebenen Abgründe sind da einfach systembedingt vorprogrammiert *hüst*. Wer ernsthaft „privat fürs Alter Vorsorgen“ möchte, sollte also lieber Bundesschatzbriefe, Goldbarren, eine Hartz-konforme Eigentumswohnung in guter City-Lage (<80qm?), Schnapsflaschen und so kaufen…

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3 Kommentare

  1. „Wer also heute die “Kapitalgedeckte” Rente einführen will, kommt rund 60 Jahre zu spät!“ -> das sehe ich anders: ich hatte auf meiner Seite geschrieben, dass man es machen muss, wahrscheinlich sogar in einem übernationalen EU- Bündnis. Allerdings muss das Verfahren langsam durchgeführt werden: zum Beispiel je Jahr 2,5%; dann hätte man die 100% in 40 Jahren, also innerhalb eines Berufslebens.


  2. Hmm also bei derzeit 1,5 Bio Staatsverschuldung und 70Mrd laufenden Zuschüssen zur Umlagerente aus Steuern p.A. finde ich ist eine PRIVATE kapitalgedeckte Pflichtrente* total unnütz. Die Staatsschulden bieten doch Platz genug zum „sparen“**.
    Und warum ich mein Aktiendepot dem schlagenden Versicherungsfilz für seine Macht-, Einfluss- und Hütchenspiele überlassen sollte, hat mir bisher noch keiner vernünftig erklärt.
    Manoftheworld hat das schon passend erläutert: Der eine kriegt die schönen Worte, der andere die Kohle.

    *Auch die aktuelle Steuersubvention hat eine starke Tendenz in Richtung „Pflicht“, zumindest für den dummen Bürger…

    ** Das die Liquidität unserer Wirtschaft aufgrund der schwarzen Löcher des Finanzuniversums von laufender Neuverschuldung abhängt ist mir auch klar, das ist aber eine andere Baustelle, dem sollte man die Rentensicherheit nicht hinterrücks unterordnen!


  3. Wir von Fleischernet, sind der Meinung, daß man die Basisrente ” Rürup Rente” nur mit Absprache des Steuerberaters abschließen soll. Oft gibt es deutlich bessere Angebote. Alles was vom Staat vorgeschlagen wird, ist oft ein Überraschungsei. Man merkt es erst, wenn es zu spät ist. Auch der Staat hat nichts und wird auch nichts verschenken. Es ist nur eine Steuerverschiebung am Ende hällt er wieder die Hand auf. Auch die Riester rente sollte man genau prüfen, da solche Verträge oft unrentabel sind. Nach der Förderung sollte man einen Riestervertrag beitragsfrei stellen. Viele solcher Konzepte entstehen nur, weil unsere Politiker in den Aufsichtsräten der Versicherer sitzen.
    Darum prüfe, wer sich ewig bindet!



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