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Ich riester jetzt auch!

14.01.2008

Also normal würde ich ja nie zum ÖR verlinken, aber das hier hat einfach den maximalen Unterhaltungsfaktor! 😀

Nachdem neulich bei der WDR-Sendung Monitor darauf hingewiesen wurde, dass es für die working poors wahrscheinlich wirtschaftlicher, auf jeden Fall aber in Punkto Gesamtergebnis weniger riskant ist, sich im Alter von der Stütze aushalten zu lassen, anstatt sich eine äusserst bescheidene Riester-Rente vom Mund abzusparen, und zwar dann, wenn die zu erwartende staatliche Rente unter dem Stützniveau liegt, da die Stütze natürlich nicht oben drauf kommt, sondern die verfügbaren Mittel eben nur bis zum jeweiligen Monatsbedarf auffüllt, Riester-Rente und jegliches sonstiges Einkommen also 1:1 von der Stütze abgezogen werden.

Für diese Leute sind die Riester-Rentenansprüche, wenn ich das richtig verstanden habe, wohl vergleichbar mit einem Aktien-Put auf das Sozialhilfeniveau, das wurde allerdings so nicht gesagt, vielmehr wurde die Sicherheit der Grundsicherung überhaupt nicht thematisiert oder gar als unbekannte Grösse hinterfragt.

Dabei wurde von der Sendung natürlich das eherne Gesetz des öffentlichen Rundfunks sträflich missachtet! Weder wurde der Sachverhalt als Parteienstreit dargestellt, noch wurde er so dargestellt, dass man ihn als „neutral“ empfindet (also den Sachverhalt, nicht die Berichterstattung), und ausserdem wurde der Bezug staatlicher Sozialleistungen als solches unkritisch als selbstverständlicher Anspruch dargestellt.
Das hat sich Herr Riester natürlich nicht gefallen lassen, und im Frühstücksfernsehen prompt gekontert.

Monitor, jetzt stark in Bedrängnis geraten, hat mit einer Gegendarstellung reagiert:

…Im ARD-Morgenmagazin (Das Erste, 11.01.08, 5.30 bis 9.00 Uhr) hatte Riester unter anderem erklärt, er sei vor dem MONITOR-Interview von dem Wirtschaftsweisen Bert Rürup gewarnt worden. Dieser habe gesagt, er fühle sich von MONITOR „über den Tisch gezogen und missbraucht zu einer Aussage, die er für ungeheuerlich halte“. Bert Rürup bestätigte zwar heute dieses Telefonat, wies jedoch diese Darstellung Walter Riesters gegenüber MONITOR klar zurück…

Ich würde sagen, klassische Pattsituation. Monitor möchte natürlich nicht öffentlich einräumen, dass die Sozialhilfe vielleicht gar nicht so sicher ist wie immer wieder beteuert wird, und Riester will nicht klar und deutlich sagen, dass die Sozialhilfe für Notfälle ist und die Leute gefälligst selber sparen sollen, und wenns nur für die Ehre ist: Könnte es trotzdem passieren, dass durch diesen kleinen Betriebsunfall bei Monitor die elendige linkslenkende Debatte um Rente, Sozialstaat und Globalisierung erneut angefacht wird, obwohl diese doch praktisch seit der Bundestagswahl 2005 durch disziplinierten Thematisierungsverzicht von Medien und Politik erbittert bekämpft wird?
Und überhaupt habe ich erhebliche Zweifel, ob die bei Monitor wirklich wissen was sie tun. Der Haupt-Unterschied zwischen Riester-Rentenversicherung und Vorher-Privat-Rentenversicherung ist doch eben diese gemeinnützige Auszahlungsbeschränkung zum Nachteil des Versicherungsspekulanten, welcher vorher mit 65 seine Ersparnisse im Tempo seiner Wahl auf den Kopf hauen durfte und mit Riester-Rente nur eine dauerhafte monatliche Rückzahlung nach Sterbetafeln bekommt. Natürlich ist es aufgrund dieses offensichtlichen – und in den Medien auch erwähnten – Nachteils auch viel schwieriger für die Versicherungswirtschaft geworden, diese neuen Riester-Verträge überhaupt aufzudrücken, die Absatzzahlen sind da ja wie man hört auch deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Wenn jetzt also aufgrund des Monitor-Beitrags der Stein ins rollen kommt, dass die Riester Rente wirklich Grundsicherungsresistent wird, hat das wohl die Folge, dass noch viel mehr geriestert wird und das hat dann Folgen, über die ich lieber gar nicht nachdenken will..

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2 Kommentare

  1. 1. Riester-Rentenversicherung -> ist der Begriff „Versicherung“ wirklich richtig? Die Versicherung gibt eine Garantie, dass die Beträge tatsächlich ausgezahlt werden. Anders macht eine Versicherung keinen Sinn.

    2. „Wenn jetzt also aufgrund des Monitor-Beitrags der Stein ins rollen kommt, dass die Riester Rente wirklich grundsicherungsresistent wird“ -> So ist die Riester Rente nicht konstruiert, grundsicherungsresistent! Es sollen, das ist bei allen SPD- Verordnungen unter Schröder so, erst alle privaten Möglichkeiten ausgeschöpft werden, bevor der Staat auf Bitte etwas unternimmt, nämlich Allmosen verteilen. Zwar hat sich der Hirrlinger mächtig ins Zeug gelegt, aber das ist auch nur das übliche Bürogeschrei!


  2. Hmm dann habe ich da bei der Bedeutung „Versicherung“ irgendwie was falsch verstanden. Die spezielle Besonderheit einer Versicherung ist doch gerade dass der Kunde das Produkt NICHT prüfen kann und auch nicht durch angemessene Gesetze eine gewisse Mindestqualität erzwungen wird: Es gibt die Garantie, dass das Geld „für nischt“ weg ist, ausser für den unwahrscheinlichen Fall, dass der versicherte Schaden eintritt UND (was man aber vorher nicht überprüfen kann) die Versicherung „seriös“ und spendabel ist.

    Das der Bürger durch „Sparen fürs Sozialamt“ freiwillig der Allgemeinheit Geschenke machen soll finde ich in Zeiten der „Globalisierung“ im Sinne des Soziopathen als menschliches Leitbild nicht zeitgemäß.



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