h1

Nokia glänzt mit Mut und Innovationskraft

18.01.2008

Viel Schelte gab es aus Politik und Presse für die geplante Standortschliessung in Bochum. Besonders gut gefallen hat mir der böse Artikel von N24:

… Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat den finnischen Nokia-Konzern davor gewarnt, sich ein Image als „Subventions-Heuschrecke“ zu verschaffen…

Auf die Idee, dass es auch zu einem erheblichen Imageschaden kommen könnte, wenn der Eindruck entsteht, dass von den europäischen Volksparteien wie der CDU eine schamlose Gießkannensubventionsselbstverarschungspolitik praktiziert wird, die das heuschreckenartige Verhalten des rationalen Grossunternehmers sogar noch fördert, ist der Gießkannenexperte Rüttgers leider nicht gekommen.

… „Wir werden uns damit nicht einfach abfinden, das ist noch nicht das Ende der Debatte“, sagte er am Mittwoch im ZDF…

Nee, is klar. Am besten sollte durch weitere Subventionen dafür gesorgt werden, dass der Betrieb so „sozialverträglich“ geschlossen wird, wie wir es vom nordrhein-westfälischen Bergbau gewohnt sind. Die dafür zur Kasse gebetenen Mitbürger haben da bestimmt nichts gegen einzuwenden, die können Ihre Preise ja einfach erhöhen, wird deren Wettbewerbsfähigkeit schon nicht allzusehr in Mitleidenschaft ziehen. 😉

… Es könne zu einem erheblichen Imageschaden führen, wenn in Deutschland der Eindruck entstehe, dass es sich bei Nokia um so etwas wie eine „Subventions-Heuschrecke“ handele, die zuerst Subventionen abgreife und dann ohne zureichende Begründung sage „Wir gehen ab nach Rumänien“ und dort vielleicht noch einmal Subventionen kassiere…

Ja klar, ohne zureichende Begründung. Voll gemein! Erst Geschenke annehmen und dann einfach so abhauen! Die Energiekonzerne laden da wenigstens noch zum Lachsfischen nach Norwegen ein! Undank ist der Welten Lohn!

Es ist bei einem Umzug wie dem geplanten übrigens nicht so, dass eben alles hurtig in den Möbelwagen gepackt wird und dann fix die Arbeiter auf der Strasse angeheuert und kurz eingewiesen werden und das wars dann, tatsächlich riskiert Nokia bei der Aktion Kopf und Kragen, eine Fabrik „umzuziehen“ ist ein verflixt kompliziertes und sauteures Grossprojekt, die vom Management werden sich das schon reiflich überlegt haben, ob sich das wirklich lohnt! Ausserdem ist die „Bindungsfrist“, laut. o.g. N24-Artikel ja bereits 2006 ausgelaufen, warum ärgert sich der Rüttgers denn dann überhaupt? Man hätte ja auch eine längere oder gar unbefristete „Bindungsfrist“ vereinbaren können… Ach so, wenn man die Subventionen nicht als Geschenk, sondern quasi als Kredit vergeben hätte, der bei Standortschliessung vorzeitig zurück zu zahlen ist, hätte Nokia gar keinen Standort eröffnet oder wäre schon früher weggezogen? Bei den an die Subventionsleistung gekoppelten – wohl sehr laschen – Gegenbedingunen kann Herr Rüttgers dann doch eigentlich froh sein, dass Nokia nicht schon 2006 die Bude sofort dicht gemacht hat sondern sogar noch ein bisschen länger geblieben ist, finde ich!

Dass sich gut geführte Grossunternehmen streng rational profitorientiert verhalten und somit auch gerne mal „Heuschrecken“ ähneln, ist übrigens nichts neues, das war schon immer so. Das einzig neue ist dass diese Selbstverständlichkeit vielen Leuten aus Medien und Politik entfallen zu sein scheint. Habe ich zumindest den Eindruck. Das muss wohl an der guten Marken- und Imagewerbung der Firmen liegen. Von einem Grossunternehmen für Subventionsgeschenke irgend eine freiwillige soziale Gegenleistung zu erhoffen ist also mal ziemlich FRGZCHN.

Als Fazit bleibt, dass ich jedem Politiker und höherem Staatsbeamten dringend empfehle, mal ein Praktikum auf dem Fischmarkt zu machen, zur Schärfung des Geistes und des Geschäftssinns. Ein paar vergammelte Fische zum Kaviarpreis sind kleines Lehrgeld im Verhältnis zu dem was sonst zu bezahlen ist.

Advertisements

One comment

  1. „Dass sich gut geführte Grossunternehmen streng rational profitorientiert verhalten und somit auch gerne mal “Heuschrecken” ähneln, ist übrigens nichts neues, das war schon immer so.“ -> wir kommen aber an eine „gefühlte“ Grenze, an der die Politik ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren droht:
    1. Umwandlung gut bezahlter Arbeitsplätze in Niedriglohnarbeitsplätze
    2. Notwendige Multijobber, um mit den Lebenshaltungskosten zurecht zu kommen
    3. schauen Sie sich doch mal das Verhältnis der Menschen in Arbeit zu sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen an: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Arbeitsmarkt/Arbeitsmarkt.psml,
    seit 2003 ( pari ) wird es immer schlimmer!

    Die Bürger werden es zunehmend leid, nur noch als manipulierbare Masse der Industrie behandelt zu werden. Das ist übrigens dasselbe, was innerhalb der ach so sozialverpflichteten Unternehmen passiert. Solange es Produktivitätsentwicklung gibt, wird diese Monstranz hochgehalten.



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: