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Wirtschaftswissenschaft vs Hartz4

10.02.2008

Der Ökotrophologe Thilo Sarrazin von der SPD, welcher nebenbei noch Berlins Finanzsenator ist, wollte den armen Arbeitslosen mal ein bisschen mit seiner herausragenden ökonomischen Sachkompetenz bei Seite stehen und hat einen Haushaltsplan für 3 Tage Frühstück, Mittach und Abendessen gebastelt. Gut ausgewählte Rezepte wie z.B. „Gemüsesuppe mit Fleisch“ erlauben für nur EUR 1,35 ein schmackhaftes Mittagessen mit gesunder Nährstoffbalance!

Bestimmt hat Herr Sarrazin neben seinem geballten Sachverstand dazu moderne Verfahren wie den Simplex Algorithmus angewendet, um empfehlenswerte Rezepte zu finden. Zu dieser Meisterleistung sei Ihm gratuliert!

Leider hat er sich wohl bei der Aufgabenstellung verblättert oder ist falsch „gebrieft“ worden, denn eigentlich haben Hartz-Empfänger da eher das Problem der Zutatenquantisierung denn der Mischung. Wenn man z.B. eine Möhre (5 Cent), eine Stange Poree (30 Cent) und 1/2 Kohlrabi (30 Cent, alles zusammen also lt. Aufstellung 65 Cent) als Verbraucher möglichst preiswert kaufen möchte, gibt es eigentlich kaum eine Alternative zu einem „Bund Suppengemüse“ (sehr günstig für 99 Cent bei Plus zu haben, man bekommt dann statt 1/2 Kohlrabei nur 1/8 Sellerie, dafür aber noch etwas leckere, frische Petersilie dazu) und bezahlt dann auch nur 52% mehr als das, was die Finanzbehörde angesetzt hat.

Natürlich hat sich Herr Sarrazin bei seinen Preisschätzungen nicht total verhauen oder gar die Preise nach unten beschönigt, er hat nur die Aufgabe nicht ganz verstanden – oder man hat sie ihm falsch erklärt:

Wenn man nämlich Lebensmittel als Verbraucher möglichst billig kaufen möchte, sind i.d.R. „verhältnismässig unveredelte Zutaten in grösseren Chargen“ viel günstiger als hochveredelte Zutaten oder Mindermengen. Wenn man z.B. gleich einen ganzen Sack Möhren kauft, welcher idealerweise auch noch kurz davor sein sollte, schwarze Schimmelflecken zu bekommen, sind 5 Cent pro Möhre sogar noch zu unterbieten! Es ist natürlich nicht so einfach, einen ganzen Sack vollreifer Möhren innerhalb weniger Tage zu verzehren, ohne Kotzkrämpfe zu bekommen oder danach nie wieder Möhren essen zu können, aber genau da liegt die Kunst erfahrener Haushaltsfüchse. Natürlich hängt die (um die Haltbarkeit erweiterte) Preis-Mengenfunktion für den Einkauf auch von der jeweiligen Zutat ab, Nudeln kann man z.B. auch nach dem Öffnen der Packung sehr lange lagern und diese daher sehr fein dosiert in Rezepte einbringen, Tomaten und Äpfel kann man auch einzeln preiswert erstehen, Obstkonserven „zerfallen“ nach dem Öffnen in Früchte und Saft und sind dann innerhalb weniger Tage zu verzehren und so weiter.. Herr Sarrazin wird uns sicher, sobald er seinen Fehler bemerkt hat, neue, verbesserte Rezepte für den Futtermix liefern. 🙂 Ich habe da zumindest vollstes Vertrauen.
Ich würde es an seiner Stelle dann erstmal mit einem Knapsack-Algorithmus basierten Verfahren probieren, zwecks theoretischer Grundlage für die Empfehlungen… Oder einfach mal Oma fragen, was denn so nach dem Krieg gekocht wurde… :p

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3 Kommentare

  1. Laut Sarrazin bekommen die Hartz IV Empfänger pro Person 27 cent täglich zuviel für die Nahrung.

    Und das beim teuersten Essen der Analyse:
    Spaghetti Bolognese, bei dem die Herren Ernährungs- und Kulturexperten allerdings den Käse vergessen haben.
    Vielleicht kein Wunder, denn der ist beim Edel-Italiener ja auch immer umsonst.


  2. Meine Frau geriet in Verzückungen bei dem Speiseplan: „Spaghetti Bolognese“, „Bratwürstchen“, Müll jeden Tag, zu Preisen, so dass bei dem Hackfleisch nur noch 40% Fett dabei ist.

    Der Typ beabsichtigt, durch eine Anhäufung schlechten Essens, weil unausgewogener Mist, die Bürger zu einem verkürzten Leben zu führen, was wiederum für den Staat durch Rentenzahlungsreduzierung besonders vorteilhaft ist!


  3. @1: Lieber unfreiwillige Sozialkritik als gar keine Sozialkritik! 😉



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